Tänze

Die Vermischung von geschichtlichen, regionalen, ethnischen, religiösen und mystischen Elementen machen die Tänze der Andenländer sehr facettenreich.  


Die Ernennung des Titels Weltkulturerbe der UNESCO für den bolivianischen Karneval von Oruro untermauern die Relevanz dieser Tanzkultur.


Geprägt von einer Vielzahl von Tänzen haben sehr viele davon ihren eigenen Stil und Schwierigkeitsgrad, was durchaus eine professionelle Trainingsarbeit erfordert.

Die Tänze und Choreographien werden von uns selbst immer wieder mit großer Leidenschaft erarbeitet und einstudiert.



Tinku

Das Aufeinandertreffen (so wie Tinku auf Quechua heißt) ist ein zuweilen anarchisches Ritual, in dem
Kontrahenten aufeinander losgehen. Die aufopferungsvollen Kämpfe
sollen der Pachamama (Mutter Erde) dienlich sein, um zum Beispiel            auf gute Ernten zu hoffen.
           


Tinku ist ein vorkoloniales Ereignis des Altiplano (Potosi / Oruro), konnte
aber von den spanischen Kolonialherren nicht ausgemerzt werden. Der
Tanz selbst hat nicht nur wegen seiner farbenfrohen Trachten, die
das einfache Landleben widerspiegeln, sondern wegen seiner
energievollen Tanzschritte einen unverwechselbaren Charme.

Llamerada

Die Llamerada gehört zu den ältesten Tänzen der bolivianischen Folklore und entspringt der Kultur und Tradition der Aymara-Bevölkerung.


Seit jeher dient das Lama den
Menschen des Altiplano als Transportmittel, Nahrungs- sowie
Kleidungslieferant.


Der Tanz interpretiert somit das Leben und die Arbeit der Lamahirten.

Zu den typischen Trachten-Merkmalen der Llamerada zählen der quadratische Hut (‚Montera’), das Tragetuch, ein Lasso sowie ein kleines Lama.

Caporales

 Caporales entstand Anfang der 1970er-Jahre in La Paz (Bolivien) und hat seitdem als Folkloretanz eine erstaunliche Entwicklung angetreten. Rasant            entwickelte sich Caporales zu einem der populärsten Tänze in Bolivien und Peru. Durch Migration hat der Tanz auch in den USA und Europa viele Anhänger gefunden.

Hintergrund und Geschichte:

Um die Bodenschätze weiter auszuplündern, holten die Spanier während der Kolonialzeit auch Sklaven aus Westafrika in das Andenhochland. Die Sklaven wurden
aber schon bald in die subtropischen Yungas (geringere Höhe) umgesiedelt, da Ihnen das Hochlandklima schwer zusetzte. Aus der Kultur der farbigen Bevölkerung Boliviens in den Yungas entstand dann der afrobolivianische Tanz ,Saya’. Hieraus entwickelte sich Caporales (früher Saya-Caporal).

Der Tanz porträtiert ursprünglich den schwarzen Vorarbeiter, dies spielt heute aber weitestgehend keine Rolle mehr.

Der Tanz wurde von jungen Pacenós (aus La Paz) initiiert, die schlichtweg einen modernen, neuen Tanz hervorbringen wollten. Charakteristisch ist der dynamisch- teils wuchtige Tanzstil der Tänzer, während die Frauen den koketten Tanzstil pflegen. Die Kostüme überzeichnen den Vorarbeiter als mächtig und muskulös. Die Akustik der Schellen an den Stiefeln symbolisieren dabei die Fußketten der Sklaven. Die Kostüme der Frauen sind entsprechend elegant, um den Caporal zu gefallen.           

Cueca

Liebe und Leidenschaft, Trauer und Betrug markieren die Facetten des Paartanzes Cueca, einer Mischung aus spanischem Stolz und indianischem Lebensgefühl. Als Zeichen der stummen Kommunikation dient hierbei das Taschentuch. Regional bedingt unterscheiden sich die Cueca-Formen innerhalb Boliviens bei den Trachten, im Rhythmus und in der Geschwindigkeit.

Taquirari

Der Tanz stammt aus der Region Santa Cruz und wurde 2015 als neuer Tanz eingeführt.

Morenada

Bei der Morenada handelt es sich um einen der traditionellsten Folkloretänze Boliviens. Die Einflüsse erstrecken sich von einer satirischen als auch ausbeuterischen Darstellung der Sklaven sowie der nicht enden
wollenden Gier nach Reichtum durch die Konquistadoren.

Die Morenada beinhaltet unterschiedliche Charakteren:

Der Moreno: Als Sklave, Sklaventreiber oder manchmal aber auch als geldgieriger Konquistador dargestellt; von Erschöpfung und Höhenkrankheit gezeichnet. Mit seiner Ratsche werden die aneinander geketteten Sklaven assoziiert.

Die Chola: Darstellung der Frauen der Mittel- und Oberschicht.

Früher und Heute ist die Teilnahme am Tanz sowie das Besitzen einer Chola-Tracht ein Statussymbol der mestizischen Bevölkerungsschicht.
Die Frauenfigur China Morena bzw. Figura (seit den 1960er-Jahren):

Minirock und hohe Stiefel popularisierten die Morenada auch bei der weiblichen jungen und städtischen Bevölkerungsschicht und machten den Tanz
vielseitiger. Der Tanz selbst entstand in Dörfern der Region von La Paz.

1913 entstand eine erste Tanzvereinigung. Als geschichtliche Wurzeln des
Tanzes Morenada wird die Umsiedlung der schwarzen Sklaven vom Hoch-

land rund um Potosi und Oruro in die subtropischen Yungas oft            herangeführt. Die Morenada ist beim Umzug ‚Gran Poder’ in La Paz stark vertreten, wird aber auch bei allen anderen Festivitäten Boliviens sowie auch im Süden von Peru (nördliche Titicaca-Region) getanzt.

Suri Sikuri

Dieser Tanz bezieht sich auf den südamerikanischen Vogel Nandu (,Suri’ auf Aymara),

den Artverwandten des Straußes sowie den dazu spielenden Panflöten-Musikern, den Sikuris, die diesen Vogel früher bei der Jagd eingekreist haben sollen.

Doctorcitos

Doctorcitos ist eine satirische Darstellung der Winkeladvokaten und Ihrer Sekretärinnen Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Altiplano,
insbesondere in La Paz und Oruro, wo der Tanz auch seine Hauptbastionen hat!
Es zieht Ihre eitlen, überheblichen Gesten und teils betrügerischen Absichten gegenüber den unteren Bevölkerungsschichten ins Lächerliche.
Der Tanzstil ist geprägt von zimperlichen, wichtigtuerischen Schritten und Bewegungen.

Tobas

Die territorialen Auseinandersetzungen
zwischen dem Hochlandimperium der Inkas sowie den Tieflandstämmen des Gran Chaco (heutiges Bolivien und Paraguay) führte zu Gefangenenüberführungen ins Inka-Reich, wo die Tiefland-Krieger bei den Inkas einen bleibenden Eindruck hinterließen.

Der Tanz wurde später der Volksgruppe der Toba zugeordnet.

Eine Tanzgruppierung aus Chuquisaca (Bolivien) führte den Tanz Tobas 1912 beim Karneval von Oruro (Bolivien) ein.

Tobas ist wegen seiner Sprünge und seiner Trachten einer der anstrengendsten
und spektakulärsten Tänze Boliviens und der Anden.

Entsprechend populär ist der Tanz in Bolivien, Nordchile und dem Süden Perus.